Lambrequins - Funktionale Zierform in der Architektur

Dem Kunstlexikon von Peter W. Hartmann folgend geht der Begriff Lambrequin auf das niederländische lamper (»Schleier«) zurück, was im Französischen über drap (»Tuch«) zunächst zur Draperie führt – der dekorativen Anordnung von Stoffen bei der Gestaltung von Räumen. Erfolgt die Anordnung horizontal, so spricht man vom Lambrequin. Lambrequins fanden sich deshalb zunächst auch als »Querbehang « oder »Bogenbehang« an Baldachinen, Himmelbetten, Möbelbezügen oder Thronen, später auch an Markisen, Portieren oder als Teil der dekorativen Fenstergestaltung (Übergardinen), zumeist mit Posamenten wie Fransen, Borten oder Quasten besetzt. Wurden damit etwa Gardinenleisten oder -schienen verdeckt, hatten sie zudem schon hier auch funktionale Bedeutung (siehe oben: ver»schleiern«) (Abb. 1).

Im 17. und 18. Jahrhundert, der Zeit des Barock, fand diese Form der Verzierung Eingang in die europäische Architektur. Durchaus denkbar, dass die Anstöße dafür schon neunhundert Jahre zuvor zu finden sind, als die Araber mit der Eroberung Iberiens begannen und dadurch auch die indischarabische Baukunst zumindest in den Südwesten Europas gelangte. Wurde das Prinzip »Sehen, ohne gesehen zu werden« – also die Teilhabe am pulsierenden Leben vor der Tür bei gleichzeitigem Schutz der Privatsphäre – zunächst vor allem über komplett aus Stein gehauene Gitterfenster im arabischen Stil durchgesetzt, erfüllten später Gardinen einerseits, Jalousien und Rollläden andererseits diese Funktion. Lambrequins wurden etwas später u.a. auch aus Stein, Stuck und Metall angefertigt: als Abschluss von Gesimsen, Kapitälen, Geländern usw. (Abb. 2). Spätestens im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts dann – wie Franz Sales Meyer, Professor für Ornamentik in Karlsruhe, mit einigem Erstaunen in seinem Handbuch der Ornamentik festhielt – »[…] finden sich [Lambrequins] neuerdings als Blende vor Rollladen und Jalousien«. Um zugleich kritisch anzumerken: »Wobei das ausgeschnittene, gedrückte Blech zu der Form allerdings nicht im richtigen Verhältnis steht.«

Autor
Christoph Müller
Datum
24.05.2016 - 11:41