Denkmalpfleger besichtigen Heinemanhof in Hannover

Zu einer informellen Runde treffen sich zwei Mal im Jahr die Mitarbeiter zahlreicher Dienststellen der Unteren Denkmalschutzbehörde aus der Region Hannover. Dieses Denkmalpflegertreffen bezeichnet Dr. Manfred Kohler, Bau- und Kunstdenkmalpfleger der Region Hannover, "als eine Art Selbsthilfegruppe". Das Landesamt für Denkmalpflege habe ähnliche Informationsveranstaltungen reduzieren müssen, so dass die Denkmalpfleger sich eigene Wege gesucht hätten, um das Praxiswissen aufzufrischen.

Im Anschluß an einen Vortrag zum Thema „Fenster im Baudenkmal“, die ein Spezialist von PaX beim Denkmalpflegertreffen gehalten hatte, organisierte PaX die Besichtigung vom national bedeutenden Kulturdenkmal „Heinemanhof“ in Hannover-Kirchrode.  Rund 20 Denkmalpfleger kamen dort zusammen, um sich über den Fortgang der Sanierung vom Heinemanhof zu informieren. Der belgisch-flämische Architekt Henry van de Velde hatte das Altenpflegeheim 1930 entworfen. Er gehörte zum Kreis der Architekten, die den Bauhaus-Stil mit geprägt hatten. Das denkmalgeschützte Gebäude gilt unter Architekten als Juwel. Entsprechend begeistert berichtete die Architektin Katharina Thomsik vom hannoverschen Architektenbüro Woelk Wilkens über die seit 2010 laufenden Arbeiten, die den Heinemanhof bis 2016 in einen Zustand versetzen soll, der dem ursprünglichen Erscheinungsbild möglichst nahe kommt. "Wir haben viel in Archiven recherchiert, um heraus zu bekommen, wie es hier früher ausgesehen hat", so Thomsik. Manchmal sei sie durch Zufall auf alte Bilder gestoßen, auf denen Details der Architektur zu erkennen gewesen seien. An anderer Stelle sei beispielsweise beim Hochnehmen von Betonplatten das ursprüngliche Muster des Terrassenbelages an Licht gekommen.

Ein Glücksfall waren die bauzeitlichen Fenster, die bei einer früheren Sanierung eingelagert worden seien. So war es den Architekten möglich, sehr genau zu rekonstruieren, wie van de Velde seine Fenster entworfen hatte. Insgesamt 15 verschiedene Fenstertypen sind in dem Gebäude verbaut. Bislang sind nur rund 60 der insgesamt 200 Bauelemente erneuert. PaX hatte in enger Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro ein Isolierglasfenster entwickelt, das dem Original in Ansichtsbreiten und Details fast auf den Millimeter entspricht. Schon alleine die Farbe stellte ein Problem dar. „Van de Velde hatte 1930 auch an der Südseite schwarze Fenster einbauen lassen. Aus heutiger Sicht ein großes Problem. Kein Hersteller war zunächst bereit, die Garantie für schwarze Fenster zu übernehmen“, so Thomsik.  Woelk Wilkens gab beim Institut für Holztechnologie in Dresden einen umfangreichen Bewitterungstest mit acht Prüfkörpern in Auftrag. Zum großen Erstaunen der Experten versagte das favorisierte Verfahren mit Leinöl. Am Ende überzeugte die Vierfachbeschichtung von PaX im Zusammenspiel mit Eiche als beste Lösung. Dem Einbau originalgetreuer Fenster in Schwarz stand so nichts mehr im Wege.

Ein besonderer Blickfang sind die Vertikal-Schiebe-Fenster im Erdgeschoss des Gebäudes. PaX hat bislang nur eines der 450 Kilogramm schweren Fenster als Muster geliefert. Für die Montagemannschaft von Kramp & Kramp war das riesige Fensterelement eine echte Herausforderung. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mit dem kleinen Finger schob Thomsik das riesige Fenster auf. Ob allerdings auch die übrigen Fenster in dieser Art und Weise ersetzt werden, ist noch nicht klar. Bund und Land haben gerade ihre Zuschüsse gekürzt, so dass der Heinemanhof eine Finanzierungslücke schließen muss. Ob am Ende genug Geld bleibt für die aufwändigen Sonderanfertigungen, ist offen.

Im nächsten Bauabschnitt werden zunächst die Balkone saniert. Zum einen wird auch hier der originale Boden wieder hergestellt. Eine Herausforderung stellen die Balkontüren dar, denn der Heinemanhof will im gesamten Gebäude ohne Schwellen auskommen. Pflegedienstleiter Holger Geis betonte: „Damit meinen wir Null Millimeter!“ Auch hier hat Woelk Wilkens zusammen mit PaX eine denkmalgerechte Lösung entwickelt. Die Denkmalpfleger konnten eines der schwellenlosen Musterelemente im eingebauten Zustand in Augenschein nehmen. „Das ist ein schönes Beispiel dafür, was heute im Denkmalschutz möglich ist, wenn sich die Beteiligten intensiv um gute Lösungen bemühen, sagte Thomsik. Die letzte Station vom fast zweistündigen Rundgang war ein bauzeitliches Fensterband, das der PaXClassic eXpert-Partner Kramp restauriert hat. Bei einer Sanierung seien die bauzeitlichen Elemente weiß gestrichen worden. Nun versetzte Kramp das Fenster in seinen ursprünglichen schwarzen Zustand zurück – nur besser. Selbst bei genauer Betrachtung ist dem Fenster nicht anzusehen, dass die einfach verglasten Scheiben einer nur 10mm dünnen und eingekitteten Wärmeschutzverglasung in gewichen sind.

Am Ende der Führung zeigen sich die Denkmalpfleger tief beeindruckt. Dr. Kohler dankte Thomsik und Kramp für die interessanten Einblicke und stellte fest:  „Für unsere tägliche Arbeit nehmen wir mit, dass heute viele Details in Baudenkmälern zu erhalten sind, wenn man es richtig macht und die richtigen Partner hat.“

Datum

26.06.2013 - 15:02